Junge Talente: Stefanie von Berge

Steffi von Berge und Familie

Es wird immer viel darüber gesprochen und geschrieben, dass die Motivation der jungen Athleten nicht stimmig sei.  Man raunt, dass der Nachwuchs nicht ordentlich gefördert wird. Wir am Mittelrhein wollen das nicht so stehen lassen und die zahlreichen jungen Talente vorstellen. Um in unserem wunderschönen Sport Ziele zu erreichen fließen Schweiß, Tränen und auch Blut. Dabei ist gerade im olympischen Boxsport die materielle Entlohnung nicht signifikant und daher bleibt es oft bei der Ehre, den Pokalen und später den Geschichtsbüchern. Einträge in den „Geschichtsbüchern“ können wir so direkt nicht liefern, aber interessante News und eine Vorstellung unserer talentierten Athleten machen wir gerne.

Heute wollen wir Stefanie von Berge vorstellen. Sie trainiert bei Ihrem Vater und Heimtrainer Serge von Berge und Gregory Tolkovets seines Zeichens Landes- und Bundestützpunkttrainer am Olympia Stützpunkt in Köln. Sie konnte in Ihren 31 Kämpfen bereits mehrere Titel erkämpfen und internationale Erfahrung sammeln. Diese Erfahrung sammelte Sie u.a. in Sparringslehrgängen mit Boxnationen wie Kasachstan, Ukraine oder England und in Wettkämpfen gegen Kasachstan, Polen, Russland, Italien, Litauen, Montenegro, Tschechien, Schweiz, Ungarn, England und Ukraine. Dies wird in der Ausbildung am Olympiastützpunkt in Köln ermöglicht: die Lehrkräfte dort fördern die Sportler zielgerichtet, sei es mit fachkundiger Beratung und Tools wie Ernährungs- und Trainingsplänen oder auch über spezielle Trainingseinheiten und Lehrgänge. Aber auch große internationale Erfolge stellten sich bereits für die 16-jährige ein: Sie gewann bei den Europameisterschaften der Frauen (U17/U19) in Sofia/Bulgarien die Silber Medaille nach starken Kämpfen. Sie boxt variabel in der Beinarbeit und zeigt technisch gut ausgeführtes Distanzboxen bei guter Schlaghärte. Sie setzt die Anweisungen aus der Ecke um und kann die erlernten Schlagkombinationen im Ring abrufen. Den Finalkampf verlor Sie knapp gegen die Vorjahresfinalistin aus England. Als diesjährige Finalistin gibt es also fast schon eine Tradition im nächsten Jahr zu gewinnen. Dafür wünschen wir Ihr natürlich nur das Beste. Aktuell bereitet der Bundesstützpunkt- und Landestrainer Gregory Tolkovets zwei seiner Athleten auf die WM der Elite in Hamburg vor und ermöglichte Steffi dennoch eine perfekte Vorbereitung, sodass sie in Ihrer Höchstform die Europäische Spitze erobern konnte. Wenn Steffi weiterhin Ihre Leistungen abruft, Ihren starken Willen und Motivation beibehält, sieht Tolkovets gute Chancen, dass Stefanie Deutschland bei der kommenden Olympiade repräsentiert.  Wir konnten Ihr Fragen zu Ihrer Motivation, Ihren Zielen, Ihren Lieblingsboxern stellen.

Boxen ist ein harter Sport: Wie kommst du zum Boxen und wann hast du angefangen?

Ja, das stimmt: Boxen ist oft sehr hart. Ich kam dazu durch meinen Vater, der selber mal Boxer war und nun Trainer ist, somit war Boxen schon immer ein Teil unserer Familie.

Schon von ganz klein an habe ich ab und zu Veranstaltungen besucht und beim Training zugeschaut. Ich bin einfach mit meinem Vater mitgegangen. Damals hat noch keiner – ich selber auch nicht – denken können dass ich es jemals selber machen würde. Mit 13 hat mein Vater mich dann mit trainieren lassen, es fing mit einmal pro Woche an, dann zwei, dann drei, dann kam mein erster offizieller Kampf und jetzt trainiere ich sechs Mal in der Woche bei meinem Papa und regelmäßig im Stützpunkt beim Landestrainer Gregory Tolkovets.

Was man sonst noch so fragt: Wie läuft es in der Schule?

In der Schule läuft es ganz gut. Dieses Jahr hatte ich den Durchschnitt 1,4. Ich besuche das Lessing-Gymnasium in Köln Zündorf, komme nun in die 11 Klasse (Q1) und strebe jetzt ein bilinguales Abitur an. Natürlich ist es oft schwer wegen den ganzen Turnieren und Lehrgängen den verpassten Stoff nach zu holen, auch nach der Schule kann es sehr eng werden mit dem Training, den Hausaufgaben und dem ganzen Lernen, aber ich schaffe es immer gut meine Zeit einzuteilen, denn ich weiß wie wichtig Schule und Bildung sind.

Hast du Lieblingsfächer in der Schule? 

Es fällt mir schwer ein Lieblingsfach zu wählen, denn mich interessieren eigentlich alle meine Fächer auf ihre eigene Art und Weise, aber wenn ich mich schon für eins entscheiden müsste dann würde ich Kunst nehmen, denn ich mag es sehr gerne zu zeichnen, aber Naturwissenschaften wie Physik und Biologie liegen mir auch sehr am Herzen.

Wie bewerten deine Mitschüler deinen Sport? Angst, Anerkennung, Respekt? 

Ehrlich gesagt nichts davon, sie wissen nur eben dass ich Leistungssport mache und etwas stärker bin als das durchschnittliche Mädchen, aber von Angst ist da ganz sicher nicht zu sprechen, denn ich bin immer sehr freundlich zu ihnen und das absolute Gegenteil von dem Klischee-Boxer, der ja immer so grimmig und aggressiv ist.

Musst du immer viel Gewicht machen?

Nein, eigentlich nicht, ich achte immer sehr auf meine Ernährung und lasse mein Gewicht nie so wirklich schweifen, man muss auf Süßigkeiten und Fastfood oft verzichten, aber ohne das fühlt man sich auch immer direkt fitter und einfach besser.

Was sind deine Interessen neben dem Sport?

In meiner Freizeit zeichne ich sehr gerne, am liebsten Superhelden. Aber sonst spiele ich auch noch Klavier und mag es in andere Länder zu reisen, was mir aber eigentlich durch das Boxen sehr gut ermöglicht wird, denn Turniere finden sehr oft nicht nur innerhalb von Deutschland statt.

Wer ist dein Lieblingsboxer? Interessierst du dich auch für Profiboxen?

Ich kenne viele Boxer deren Boxstile mir sehr gefallen, von welchen ich dann auch immer versuche möglichst viel für mich selber zu lernen, und einige gute Sachen zu übernehmen.

Besonders gefällt mir der zweifache Olympiasieger aus der Ukraine, Vasyl Lomachenko.

Profiboxen interessiert mich natürlich auch sehr, es ist immer ganz interessant sich die ganzen Pressekonferenzen anzusehen und die Show die sie da drum machen, auch die Kämpfe sind oft sehr interessant.

Jedoch finde ich persönlich das olympische Boxen viel schöner, es wirkt einfach sportlicher und sauberer.

Hast du Spaß am Olympiastützpunkt in Köln?

Ja, natürlich habe ich dort Spaß. Ich trainiere dort beim Landestrainer Gregory Tolkovets, der schon so viele Boxer an die Weltspitze gebracht hat. Von ihm kann ich immer sehr viel lernen!

Beim Olympiastützpunk in Köln fühle ich mich allgemein sehr wohl, denn es gibt viele Angebote für die Förderung von Sportlern.

Dein Vater ist gleichzeitig dein Trainer. Ist das einfach?

Was sollte denn da nicht einfach sein? Zuhause habe ich immer einen Papa, der gleichzeitig ein Trainer ist, der mir Tipps geben kann und immer ansprechbar für mich ist, und beim Training habe ich immer einen Trainer, der gleichzeitig ein Papa ist, mit dem ich über Sachen reden kann die ich mit einem Trainer nie besprechen könnte.

Ich schätze meinen Papa sehr, er ist ein sehr guter Mensch, ein sehr guter Papa und ein sehr guter Trainer, auf ihn kann man sich immer verlassen. Ich höre ihm immer zu, und tue dann auch meistens das was er sagt.

Was willst du beruflich machen – wie lange willst du Boxen?

Ich habe vor Medizin zu studieren und später Ärztin zu werden. Aber vorher will ich noch Gold bei den Olympischen Spielen holen.

Was sind deine Ziele im Sport und Im Leben generell?

Im Sport sind meine Ziele für die nahe Zukunft, jetzt im Oktober wieder Deutsche Meisterin zu werden, und mich nächstes Jahr für die Jugend Olympiade in Buenos Aires zu qualifizieren, wo ich dann unbedingt eine Medaille holen will, am liebsten Gold.

Mein weitläufiges Ziel ist dann ungefähr dasselbe, nur anstatt der Jugend Olympiade dann bei den richtigen Olympischen Sommerspielen, wo ich Gold holen will! Ich weiß, dass es ein sehr schwerer und steiniger Weg wird, und ich vorher noch so viel lernen muss, aber ich bin schon gewohnt alles zu geben.

Und im Leben generell will ich, wie bereits gesagt, Medizin studieren, eine sehr gute Ärztin werden und ein glückliches Leben führen.

Hast du ein Lebensmotto:

„Ohne Fleiß kein Preis“

Das schöne ist, dieser Satz trifft für alle Bereiche des Lebens zu.

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