Rückblick NRW Meisterschaft (U 19)

Nach dem Turnier ist vor dem Turnier und schon war es wieder soweit. Nach dem Boxfest beim SC Colonia, den drei spannenden Kampftage der MABV Meisterschaft der Elite, stand nun die NRW Meisterschaft der Jugend (U19) an. Der Veranstalter vom BC Troisdorf, welcher seit Ende des letzten Jahres wieder veranstaltet, war ein guter Gastgeber und so gelang die Veranstaltungen und das Publikum und die Offiziellen wurden herzlich willkommen geheißen. Stets war für das leibliche Wohl gesorgt. Das Team in Troisdorf wirkt eingespielt. Positive Vereinsarbeit, um dann in Folge zu veranstalten ist essentiell wichtig für die Verkehrsgeltung des Sports und die Nachwuchsarbeit.

Apropos Vereine: der PSV Euskirchen hat die Boxabteilung aufgelöst. Da es aber bei den Jungs läuft, haben Sie in einer guten, konzentrierten Arbeit einen neuen Verein ins Leben gerufen. Den BSV Euskirchen. Auch wenn hier nur ein stimmhafter Plosiv (b) einen stimmlosen Plosiv (p) ersetzt, passiert hier gerade Wertvolles. Gerade auch die Vereinskameraden sind höchst motiviert und stellen viel auf die Beine: Bei dieser bringt der Boxsportverein direkt zwei Medaillien von dieser U19 Meisterschaft nach Hause. Ferdaws Naderi gewinnt in der B Klasse den Titel im Weltergewicht, während Zülfü Polat in einem knappen Kampf Silber mit nach Hause nimmt.

Das Turnier begann gut mit einem Kampf der weiblichen Jugend und hier ging es schon richtig zur Sache. Natalie Schrahe von Warendorf ließ der Gegnerin aus Essen keine Chance und gewann Kampf durch Abbruch. Sie agiert auch am Finaltag clever und nimmt den NRW Titel mit nach Warendorf. Die Förderung des Nachwuchs wird in Warendorf ernst genommen, dies kann vor allem im Frauenbereich beobachtet werden.

Als nächstes konnte sich Narek Sukiasian durchsetzen – er ließ Metoucha Lukoki vom SC Colonia keine Gelegenheit sich zu entfalten. Auch im Finale boxt er gegen Colonia und auch Dennis Schleicher hat keine Chance. Der Kampf wird abgebrochen. Der Schützling von Detlef Dieckmann hat einiges an Zukunft vor sich, besitzt eine sehr gute Grundausbildung. Mit Ihm kann man rechnen.

Im Leichtgewicht (B Klasse) kam nun der Leverkusener Rafael Desbele zur Geltung: sein noch etwas ungeschliffener Stil weiß er durch ein unglaublich großes Kämpferherz und Engagement bis zum Schluss auszugleichen. Nachdem er die erste Runde verliert treibt er seinen Gegner durch den Ring und gewinnt im Halbfinale gegen den Paderborner Brice Tschangue. Der Finalkampf gegen David Korangbeheshti war ein Kampf nach ähnlichem Muster, Start verschlafen, zum Schluss mit Fussballgroßem Herz bis zum Gong  gekämpft und alles gegeben. Diesmal reichte es leider nicht und der Leverkusener muss mit dem Vizetitel vorlieb nehmen. Mit ein bisschen Feinschliff durch seinen Trainer Jörg Heidenreich geht da noch was.

Ein erstes Highlight, ein vielversprechender Athlet der A Klasse im Halbwelter Feld, ist Dzenis Hukic. Er schlägt variabel, seine gute Beinarbeit ermöglicht ein variable Kampfführung mit guter „rein und raus” Taktik. Im Halbfinale und Finale kann er jeweils gute Leistungen abrufen, gewinnt souverän. Er verstärkt Velbert in der Liga und stellt ganz gut dar, woher Velbert kommt und wohin Sie wollen: eher nach oben.

Mert Caliscan, von BuS Dinslaken, gewinnt seinen Titel ungefährdet. Er boxt ruhig und kann seine Erfahrung ausspielen. Im Halbfinale besiegt er Felix Zemke nach Punkten und im Finale gewinnt er gegen Imad el Mahi. Beide Siege fährt er mit großer Leichtigkeit ein. Sobald er intuitiv boxt finden seine Fäuste die offenen Stellen der Gegner. Gerade auch die starken Gegner Zemke und el Mahi, deren gute Talente auch aufblitzen, haben wenig Chancen gegen den erfahrenen Mann.

Gewichtsklassenübergreifend das wohl beste Trio ist die 75 KG A-Klasse. Vom SC Colonia Muhmud Dawlatov, Tamirlan Amhadov (SV Brackwede) sowie Klim Vogt (Dortmund Mengede) boten hochklassige Kämpfe. Im Halbfinale neutralisierten sich Vogt und Dawlatov vollständig. Beide Kämpfe nutzten Ihre exzellente Grundausbildung bis an die Grenzen der Legalität aus. Dies war für die Experten sicherlich hochinteressant, aber kein Gassenhauer. Hier wurde viel gedrückt, geschoben, gehalten, gehauen, geschleudert und herausgedreht. Die tolle Technik kann man natürlich auch zum blockieren der gegnerischen Aktionen nutzen, was dann immer noch komplex ist, aber nicht unbedingt das Publikum zum toben bringt. Dieser Kampf hätte im Grunde zwei Sieger verdient. So gelangte der Kölner in Finale, wo er auf Tamirlan traf. Ein actionreicher, hochklassiger Kampf entwickelte sich. Tamirlan hat in fast allen Aktionen die letzte Hand im Ziel und kann sich nach Schlussgong verdient NRW Meister nennen. Auch Dawlatov wird seinen Weg gehen: Mit seinen 17 Kämpfen (15 Siege) ist er ein Kandidat für internationale Erfolge.

Im Weltergewicht der A Klasse erreicht Chris-Marco Eloundou nach Punkten hinten liegend durch einen harten KO gegen Erik Brunner das Finale. Dort verliert er eindeutig gegen Khaled el Jabri aus Velbert nach Punkten.

Den Kampf des HF Tages gewinnt Georgy Gubeladze in einer wahren Ringschlacht gegen Tarik Sahin. Die beiden wollen beide zu jedem Zeitpunkt die Ringmitte, weichen nicht zurück, und versuchen im Wechsel von Halbdistanz und Infight immer größeren Druck aufzubauen. Das sehr fair geführte Duell verkörpert Boxen auf eine tolle Art. Beide Boxer sind nach dem Kampf stehend KO, zurecht! Kubeladze kann dann auch nicht im Finale antreten. Dieser Sport ist sehr hart und die Gesundheit geht vor.

Abschließend muss man drei Dinge hervorheben. Trotz der nicht unbedingt rosigen Situation stehen doch Talente zur Verfügung. Weiterhin sind jetzt immer wieder gute Frauenkämpfe auf den Veranstaltungen zu sehen. Last but not least sind die Vereine zu nennen: Gute Arbeit.

[Die detaillierten Ergebnisse]

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