Junge Talente: Nelvie Tiafack

Heute wollen wir über ein weiteres Talent vom Stützpunkt in Köln berichten. Nachdem wir uns zunächst dem weiblichen Nachwuchs widmen konnten kommen wir nun zu Königsklasse: dem Superschwergewicht der Männer. Wir konnten mit Nelvie Tiafack sprechen, der für seine jungen Jahre bereits mehrere Ausrufezeichen setzen konnte. Der gebürtige Kameruner ist seit 10 Jahren in Deutschland. Als Einzelkind und dunkelhäutiger Schüler war der Einstieg in die Schule nicht immer ganz leicht, dennoch hat er sich auch auf dieser Ebene durchgeboxt: Von Ärger hat sich Nelvie ferngehalten. Aktuell macht er sein Fachabitur im kaufmännischen Bereich. Er möchte weiter im Leistungssport aktiv bleiben und Erfolge einfahren: am liebsten natürlich mit angemessener Förderung und einem soliden Zukunftsplan wie z.B. als Sportsoldat.

Er boxt erst seit dem 15. Lebensjahr und hat dennoch schon bemerkenswerte Dinge erreicht: Nelvie ist 18 Jahre jung und hat 22 Kämpfe – das klingt erstmal nicht viel, aber die Bilanz spricht für sich. Er konnte 3 mal Deutscher Meister werden und der bisherige Höhepunkt war der dritte Platz bei der U19 WM. Nur Folgerichtig, dass er zu Kölns Nachwuchssportler des Jahres 2016 gewählt wurde. Wir führten ein Interview mit Ihm.

Wie bist du zum Boxsport gekommen?

Das ist eine filmreife Geschichte. Ich bin ja in Bergheim groß geworden, in einem Viertel mit vielen Ausländern und war da halt der „dicke schwarze Junge” aus der Nachbarschaft. Dort haben mich öfter mal ältere Jungs angesprochen und wollten mich zum Boxen mitnehmen, aber meine Mutter war dagegen. Ein Jahr später hatte ich Muskelmasse zugelegt und dann sind die Jungs einfach mit zu mir nach Hause gekommen und haben meiner Mutter alles erklärt. Sie war dann einverstanden.

 Und dann bist du direkt zum Boxen gegangen?

Nein, ich war erst beim Thai- und Kickboxen in Bedburg. Da war ich dann zwei bis dreimal beim Training, bis mich ein Kumpel zum SC Colonia mitnahm, wo ich dann richtiges Boxtraining kennenlernte (lacht).

 Warum lachst du?

Das Training war knallhart und ich dachte ich sterbe. Aber es hat sehr viel Spaß gemacht und deswegen bin ich dann auch beim SC Colonia geblieben. In zweiten Kampf bin ich dann schon NRW Meister geworden – das war super.

 Und was sagen Freunde und die Familie jetzt?

Die stehen voll hinter mir und der Erfolg ist das beste Argument für meine Eltern gewesen, er gibt mir ja schließlich recht. Sie hielten Boxen für gefährlich und wollten nicht, dass ich es mache. Aber gefährlich – Was ist denn im Leben nicht gefährlich? Man kann auch eine Treppe runterfallen und sterben.

 Wie gefällt es dir am Stützpunkt in Köln?

Sehr gut. Hier wird sehr viel für uns getan. Ich kann dort mehrmals am Tag trainieren und wir erhalten individuelle Trainingspläne. Ich bin auch in einer Sportschule in Zollstock, welche mich für Turniere freistellt. Es wird einem hier alles leichter gemacht: Dort kann man Mittag essen und vor allem muss ich nicht immer so weit anreisen. Der Stützpunkt selbst motiviert mich sehr: Auch als ich noch nicht in der Sportschule war, und ich immer so weit reisen musste war ich voll motiviert, einfach weil das Training so gut ist. Das ist natürlich jetzt vor Ort noch besser. Der Erwin Radovan ist ein Top Trainer und seit ich zu Lukas Wilaschek gewechselt bin, ist das ganze noch leistungsorientierter.

 Gehst du heute noch trainieren?

Ja, aber kein Boxen sondern Lauftraining. Hier hat mir Lukas auch einen genauen Plan gemacht: Heute steht 45 Minuten bei einem bestimmten Puls an.

 Boxt du für Deutschland? Wie gefällt es dir hier?

Ja, klar, ich boxe für Deutschland und mir gefällt es sehr gut hier. Klar war es als schwarzes Kind tough, aber das lag nicht nur an Deutschen, sondern genauso an Ausländern. Aber ich halte mich aus Streitigkeiten, wenn es geht raus. Ich habe mich immer von den schweren Jungs ferngehalten.

 Warum hat das Boxen so einen schlechten Ruf und was gefällt dir am Boxen?

Ach, das sind Vorurteile, wie „Boxer sind doof und gewaltätig”. Es wird auch zu wenig für das Boxen geworben. Das muss sich ändern indem sich mehr Leute dafür einsetzen. Mir persönlich gefällt alles am Boxsport, diese mega Kondition und Fitness, die man braucht, aber auch die technischen Feinheiten und die Herausforderungen.

Wer ist im Boxen dein Vorbild?

Ich mag Vasyl Lomachenko. Ein sehr guter Boxer. Der boxt so variabel und es ist einfach schön anzusehen. Ich versuche auch so variantenreich und schön zu boxen. Ganz anders als z.B. Klitschko. (lacht) Mein eigentliches Vorbild wäre aber nicht Lomachenko, sondern Tyson.

Lomachenko ist ein krasser Typ. Bald boxt Lomachenko gegen Rigondeaux. Da boxen die Weltbesten gegeneinander.

Ja, das wird mal ein spannender, toller Kampf. Ein Highlight im Gegensatz zu Conor McGregor gegen Floyd Mayweather. (lacht) Aber Kämpfe wie McGregor/Mayweather bringen so viel Geld. Ich hätte es wahrscheinlich auch gemacht. Boxerisch war der Kampf natürlich unnötig. Golovkin gegen Canelo habe ich mir noch nicht angeschaut, aber gehört das ein super Kampf war, muss ich noch sehen.

 Willst du auch mal Profi werden?

Irgendwann will ich auch Schwergewichtschampion bei den Profis sein. Aber ich will noch viele Amateurkämpfe bei den Männern machen. Ich bin ja erst 18 Jahre alt und habe gerade meinen Führerschein bestanden. Ich habe auch für ein Jahr ein Auto bekommen, da ich ja in 2016 in der „Kölner Sportnacht” der „Nachwuchssportler des Jahres” geworden bin.

Vielleicht auch bei den Amateuren mal einen Bundesliga Kampf machen? Wäre es nicht super, wenn Köln und/oder Mittelrhein eine Bundesliga Mannschaft hätte?

Das wäre 100% geil! Wir sollten es so machen, wie Hamburg das macht, auch von der Werbung her. Mit dem ganzen Social Media. Mit Instagramm und allem drum und dran. Wobei man von der WM in Hamburg nicht viel gehört hat. Viele Länder machen das besser und ich denke, hier können wir in Deutschland nochwas abschauen.

 Danke für das Interview und weiterhin viel Erfolg!

 

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