Finale NRW Box-Meisterschaft 2017: Highlights im Rückblick

Nadine Apetz

Von Karna Puri, Pressesprecher Mittelrhein

Der Ausrichter der NRW Meisterschaft SC Colonia 06 wird in diesem Jahr 111 Jahre. Ein Traditionsverein mit unbestrittenen Leistungen für NRW und natürlich auch für Box-Deutschland gerade auch bezüglich der Talente die am Stützpunkt in Köln aufgebaut werden. Nicht umsonst wird NRW häufig der beste Landesverband in der Jugend und im Elitebereich der Frauen und Männer.

In 2017 richtet Colonia die NRW Meisterschaft aus und es gab spannende und einige hochklassige Kämpfe zu sehen.

Jordy Mazieta (SC Colonia) gewann im Leichtgewicht der B-Klasse (Bis 14 Siege) gegen Suraesh Sivathas (RF Oberhausen). In einem abwechslungsreichen Kampf drückte Mazieta den Oberhausener und drängte diesen immer wieder aus der Ringmitte. Der Oberhausener konnte jedoch immer wieder saubere klare Konter unterbringen. Im Kampfverlauf wurde der Kampf verbissener und auch unsauberer und mündetet in der finalen Runde in einem Schlagabtausch mit Treffern auf beiden Seiten. Ein knapper Sieg für den Kölner und die erste Medaille gingen klar. Die Jugendarbeit auf beiden Seiten muss lobenswert hervorgehoben werden: Beide Kämpfer haben sicher eine gute Zukunft vor sich. Im Weltergewicht der B-Klasse kämpften nun Ali Abasin aus Leverkusen gegen Malik Aksakal aus Hamborn/Duisburg. Ein knapper technisch hochwertiger Kampf, den der Hamborner Aksakal durch seine Schnelligkeit, seine effektiven Konter, guten Meidbewegungen sowie gutes Offensivboxen in der letzten Runde gewinnt.

Es sind enge, hochwertige Kämpfe: dies gilt auch für den nächsten „Clash of Styles”. Der Leverkusener Matthias Rißmayer boxt gegen den Aachener Anas Al-Abid. Rißmayer marschiert, während Anas Al-Abid kontert und die klareren Hände landet. Die reine Schlagfrequenz ist bei Rißmayer höher, aber Anas hat die härteren Wirkungstreffer. Es ist ein wunderbarer Kampf bei dem beide Kämpfer in der Schlaghärte variieren, sehr gut meiden. Schlussendlich muss ein Sieger gefunden werden und hier liegt Anas vorne – seine klaren Treffer und die bessere Meidarbeit gewinnen gegen die Rißmayers Arbeitsrate und Ringmitte.

Im folgenden Kampf der B-Klasse im Schwergewicht setzt sich Lars Wagner gegen seinen Vereinskameraden vom BC Münster durch. Im Superschwergewicht gewinn Christian Kremer vom PSV Unna gegen Darius Lassotta aus Gahmen. Der Druck von Kremer ist ausschlaggebend für den Sieg. Lassotta schlägt zum Teil technisch schön und trifft auch, scheint aber die Härte der Gewichtsklasse nur schwer nehmen zu können.

Im ersten Frauenkampf des Abends besiegt Elvira Müller vom BC Vogelheim Merve Gülec durch TKO in Runde 2. Der letzte Feinschliff in Bezug auf richtige Schlagdistanz ist noch nicht vollends ausgebaut. Kämpferisch und mit vielen Händen lässt Elvira Müller Ihrer Gegnerin jedoch keine Luft zu atmen.

Ähnlich der Ablauf bei dem Kampf von Uschi Gottlob (BR Hilden) und Katharina Mashkov (Borbeck), aber auf einem höheren Niveau. Gottlob ist deutsche Vizemeisterin und trainiert am Stützpunkt in Köln. Sie wird von Lukas Wilaschek sekundiert. Sie trifft die Rechtsauslegerin Mashkov direkt in der ersten Runde hart mit der Rechten Geraden – dem besten Mittel gegen Rechtsausleger – so dass Mashkov früh Wirkung zeigt und angezählt werden muss. Gottlob knüpft daran an und trifft Mashkov hart zum Körper: Der Kampf wird abgebrochen.

In einem unsauberen Kampf gewinnt Hamrin Gafar aus Münster gegen die Wattenscheiderin Edina Topgacic. Gafar entscheidet jede Runde für sich. Die Dynamik und Eleganz des Sportes wird hier nicht nachdrücklich unterstrichen. Der nächste Kampf geht wieder an Münster: hier gewinnt Dilara Göcalan durch Abbruch gegen Darya Kasyanova. Dilar Kisikyol gewinnt in einem knappen Kampf gegen Ewa Gawenda. Gawenda sucht den Infight und sieht gut aus, wenn Sie es schafft. Jedoch schafft Kisikyol es die meiste Zeit die Distanz sauber zu vergrößern und Gawenda mit harten Geraden im Vorwärtsdrang zu bremsen. Es war ein enges Gefecht wobei das Distanz- und Konterboxen von Kisikyol durch die Kampfrichter besser bewertet wurde als die Nahdistanz von Gawenda. Als nächstes kam das Highlight in der Elite der Frauen: Die Lokalmatadorin Nadine Apetz boxte gegen Ihre tapfere aber sichtlich überforderte Gegnerin Aylin Gözdaz. Gözdaz kann zwar eine Hand unterbringen, aber Apetz bewegt sich besser, trifft hart und das ungleiche Duell wird zum Schutz der Sportlerin in Runde 2 abgebrochen. Die WM Dritte Nadine Apetz fährt somit die zweite goldene Medaille für den SC Colonia ein. Im Anschluss daran kann Corinna Glunz aus Essen gegen Asanowa im Mittelgewicht der Frauen Gold gewinnen.

Der nächste Kampf ist mein persönliches Highlight der Veranstaltung. Youness Zarraa – mehrfacher deutscher Meister mit internationaler Erfahrung trifft auf Mourad Möllenbeck, der in seinen 39 Kämpfen erst sieben Mal geschlagen wurde: die beiden bieten sich einen wunderschönen Boxkampf. Schöne Sidesteps, sehr schnelles Boxen, rasante Wechsel von Verteidigung zu Angriff, unglaubliche Reflexe. Möllenbeck kann jede Runde hauchzart für sich entscheiden.

Hiernach tritt der nächste Lokalmatador auf: Wladimir Frühsorger vom SC Colonia trifft auf Amin Melekzadeh. Ein spannender harter Boxkampf auf technisch sehr hohem Niveau. Die Kämpfer verlassen kaum die Ringmitte und laden variable Körper-Kopf Kombinationen ab. Am Ende merkt man das Frühsorger seine erste Saison im Weltergewicht boxt, vorher boxte er im Halbwelter und dies ist immerhin 5 kg leichter. Die reine Trefferanzahl war nah beieinander, jedoch hinterließen die Treffer Melekzadehs mehr Wirkung und somit gewann dieser einen hochklassigen, knappen und spannenden Kampf verdient. Von Frühsorger, der schon im Halbwelter Meister und Vizemeister wurde, wird man noch einiges hören. Der nächste Kampf des Abends war dann auch ein weiterer hochwertiger Kampf, bei dem es leider nicht ganz so sauber zuging: Oliver Ginkel (FK Mönchengladbach) traf auf Samir Talo (BC Vorwärts Bielefeld) und besiegte diesen nach Punkten. Oliver, der in der Rechtsauslage boxte traf mit geraden Händen und hatte einen technischen sowie geschwindigkeitsmäßigen Vorteil. Samir gab jedoch zu keinem Zeitpunkt auf und versuchte in die für Ihn bessere Nahdistanz zu gelangen. Dabei kam es oft zu eher unabsichtlichen Kopfstößen, die auch verwarnt wurden. Ginkel konnte den Kampf knapp für sich entscheiden. Im Halbschwergewicht der Männer A-Klasse unterlag der Lokalmatador Yasin Ogul knapp dem hart schlagenden Martin Houben aus Übach-Palenberg in einem technisch sauberen, hochklassigen und physisch anspruchsvollen Kampf. Houben ist amtierender Hochschulmeister und weist, seit Er wieder bei seinem Heimtrainer Detlef Dieckmann trainiert eine steile Leistungsverbesserung auf. Gegen Ogul muss er in eine hart umkämpfte Schlacht ziehen und kann diesen knappen Kampf gewinnen. Ogul versucht immer wieder seinen Kampfstil aufzusetzen und Houben in den Schlagabtausch in der Nahdistanz zu verwickeln und Körper und Kopfhaken anzubringen. Dies gelingt Ihm in der zweiten Runde. Doch Martin Houben behielt in der dritten Runde die Übersicht und schaffte es den Kampf 2:1 Runden nach Hause zu bringen. Houben hat hier sauber agiert und in einer kampfentscheidenden Phase nicht den Überblick verloren. Er empfiehlt sich mit dieser Leistung als ein Kandidat für den Deutsche Meistertitel.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die NRW Meisterschaft eine hochklassige und spannende Veranstaltung war. Auch die B-Klasse bot einen Ausblick auf die Talente. Bemerkenswert ist auch die Leistungsdichte der Frauen in NRW, was man aber auch schon bei der DM in Wismar 2016 sehen konnte. Für Köln war dies ggf. in der Selbstwahrnehmung eine durchwachsene Meisterschaft, muss aber als Erfolg gesehen werden: Viele der Boxer, die nicht vom SC Colonia direkt kamen, sind dennoch am Stützpunkt im Training. Köln war hier also bester Verein aber auch im direkten Vergleich der beste Stützpunkt.

 

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