Zwei Ostseepokalsieger 2015 aus Westfalen

Auch wenn die diesjährigen Europameisterschaften im Boxsport der U15 erst am 15. Juli beginnen, ist es doch seit 45 Jahren Tradition, im April jeden Jahres den „Ostseepokal“ in der Weltkulturerbestadt Stralsund auszuboxen. Bei diesem großen Nachwuchsturnier handelt es sich um das älteste und eines der größten Boxturniere des Nachwuchses in der Altersklasse U15. Angereist waren neben den meisten Landesverbänden Deutschlands auch Auswahl- und Nationalmannschaften aus den Niederlanden, Dänemark, Tschechien, Slowakei, Polen und Belgien. Insgesamt trafen sich 140 Athleten, um an vier Wettkampftagen ihren „kleinen Europameister“ zu ermitteln.

Vom Landesverband Nordrhein-Westfalen reisten insgesamt 12 Athleten an, davon 4 aus Westfalen und davon wiederum 2 vom Boxclub Gütersloh. Henry Günter in der Gewichtsklasse bis 40 kg und Justin Bender in der Gewichtsklasse bis 59 kg boxten sich bis ins Finale am Sonntag, den 12.04.2015 durch. Dabei hatten sie durchaus schwierige Aufgaben. Günter traf im Viertelfinale auf den dänischen Meister und musste im Halbfinale erneut einen dänischen Konkurrenten aus dem Weg räumen, um im Finale auf den starken Württemberger Athleten Nikitin zu treffen. Dieser hatte sich ebenfalls in den Vorkämpfen erfolgreich durchgesetzt und brillierte als Rechtsausleger in seiner Gewichtsklasse. Günter, in seinen letzten 8 Kämpfen ungeschlagen, ließ jedoch nichts anbrennen. Trotz der taktischen Vorteile des süddeutschen Athleten gelang es dem Gütersloher, der linken Schlaghand umfassend aus dem Wege zu gehen und selbst mit schnellen Angriffsaktionen einen deutlichen Punktevorsprung herauszuarbeiten. In der 3. Runde dominierte Günter so deutlich, dass von einer Gegenwehr des Athleten nicht mehr gesprochen werden konnte. „Gentleman Henry“ wurde für seine technischen und taktischen Fähigkeiten von dem neuen Bundestrainer Nachwuchs gelobt und von dem Jugendwart des Deutschen Boxsportverbandes mit der Goldmedaille des Ostseepokals geehrt.

Auch der Gütersloher Bender setzte sich in den Viertelfinal- und Halbfinalbegegnungen gegen seine Kontrahenten erfolgreich durch. Dabei hatte er seine Gegner immer kurz vor einem T-KO. Im Finale traf Bender jedoch auf den italienisch stämmigen Salvatore Coltrone, der für den Bundesstützpunkt Schwerin antrat. Die 1. Runde gab Bender an den Kontrahenten aus der blauen Ecke ab. In der 2. Runde dominierte Bender durch gezielte Schlaghände und brachte seinen Gegner dadurch in enorme Schwierigkeiten. Zwei Wirkungstreffer ließen Coltrone wackeln, der sich jedoch über die Runde retten konnte. Nach der 2. Runde war der Kampf ausgeglichen. In der 3. Runde verhielten sich beide taktisch zurückhaltend und entwickelten erst im letzten Drittel der letzten Runde nochmals Angriffs- und Gegenangriffsaktionen, wobei der Gütersloher wieder einen Wirkungstreffer setzen konnte. Als der Schlussgong zu hören war, blieb der Ausgang des Kampfes zunächst völlig offen. An den Wertungscomputern sammelten sich die Fachleute, um wirklich jeden einzelnen Wertungspunkt auch korrekt in das Schlussergebnis einfließen zu lassen. Selbst der Bundestrainer war sich über das Ergebnis nicht sicher. Dann kam das Urteil zu Gunsten von Coltrone mit einem Hilfspunkt. Bender blieb daher nur der zweite Platz dieses internationalen Turniers, konnte sich jedoch durch sein ausgezeichnetes Manöverboxern bei dem Fachpublikum eindrucksvoll ins Gespräch bringen.

Peter Strickrodt, eingesetzt als Verbandstrainer und unterstützt vom Münsteraner Trainer Wolfgang Pissarsky, lobte seine Athleten für deren Leistung und konnte darüber hinaus mit Max Becker aus Münster einen weiteren ersten Platz vermelden. Newcomer Max siegte im Halbfinale gegen den Berliner Lirim Scholz und setzte sich dann auch souverän gegen den Finalgegner John Hoffmann aus Sachsen Anhalt durch. Die Leistung von Max ist umso beachtlicher, da er gerade mal 4 Kämpfe aufzuweisen hatte und durch technische saubere Aktionen zu überzeugen wusste. Damit gilt Max sicher als neues Talent in seiner Gewichtsklasse.

Deni Gartwick aus Bad Oeynhausen schied bereits in der Vorrunde aus.

Gütersloh, 14.04.2015

Dr. Horst-Peter Strickrodt

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