Gemeinsam können Düsseldorfs Boxer alles erreichen

Eine Stadt, eine Mannschaft, das fordern die Trainer Stefan Becker und Andreas Klix für den Düsseldorfer Boxsport. Im Hochbunker am Rather Kreuzweg drillen sie die Leistungsboxer der Landeshauptstadt. Demnächst will man in der Oberliga eine Top-Drei Platzierungen erreichen. Dafür haben die beiden die Ärmel hochgekrempelt und die Mission Oberliga auf ihre Art gestartet.

Es ist Donnerstag, der 3. Juli. Viele sind bereits in den Ferien. Nicht so Vladimir Eichholz, Düsseldorfs bester Schwergewichtler muss nachsitzen. Er rennt die 55 Stufen ins 2. Geschoss des Hochbunkers, pumpt zehn Liegestütze und läuft wieder runter, das Ganze zehnmal. Wo Eichholz mit seinem Treppenlauf die Muskeln aufwärmt, soll Düsseldorfs erstes Box-Leistungszentrum entstehen.

v.l. Stefan Becker und Andreas Klix

v.l. Stefan Becker und Andreas Klix

Gründer sind die PSV-Trainer Stefan und Becker Andreas Klix, die mittwochs und freitags im Goethe Gymnasium an der Lindemannstrasse trainierten. Für das Training von Leistungssportlern reichten dort weder die Fläche noch die Sportgeräte aus, ganz zu schweigen von den Übungszeiten. Sie entwickelten ein Konzept, mit dem sie den Unterricht entzerren wollten. Es sah vor, dass an der Lindemannstrasse der Nachwuchs und die Freizeitsportler bleiben sollten, während für die Leistungsboxer eine neue Heimat gefunden werden musste.

Deshalb schauten sich die beiden nach einer neuen Trainingsmöglichkeit um und wurden im Hochbunker am Rather Kreuzweg fündig. In der 2. Etage bauten sie in unzähligen Stunden einen alten Lagerraum um. Für ihre Sportler war es Ehrensache mitzuhelfen.

Der PSV Vorstand gab für das Leistungszentrum grünes Licht, allerdings bezahlen Becker und Klix die laufenden Kosten aus der eigenen Tasche. Auch den Umbau und die Sportgeräte haben sie finanziert. Sie wollen ihre Unabhängigkeit behalten und nach außen Neutralität zeigen.

Gym im Hochbunker

Gym im Hochbunker

Wenn man das Gym betritt, fühlt man sich unweigerlich an die alten Rocky-Filme erinnert. Bis zu 15 Athleten können hier gleichzeitig trainieren. An den Wänden wechselt sich roter Backstein mit nacktem Putz ab. Alles ist blitzsauber. Von der Decke hängen Sandsäcke, die die Boxer mit komplizierten Schlagfolgen bearbeiten. Klix analysiert und korrigiert mit ruhiger Stimme. In der Mitte des Raums steht ein Ring, in dem Becker einen nach dem anderen zu sich an die Pratzen holt. Becker ruft ihnen Kommandos zu, die sie sofort in Kombinationen umsetzen. Dabei klatscht es jedes Mal laut, wenn sie die Pratze treffen. Besonders laut klatscht es, wenn Eichholz schlägt.

Das Konzept geht auf. In der Lindemannstrasse treten sich die Sportler nicht mehr gegenseitig auf die Füße und der dritte PSV-Trainer, Levent Sönmez, kann sich viel besser um die Freizeitsportler und den Nachwuchs kümmern. Ist ein Talent in einer seiner Gruppen, informiert er seine Trainerkollegen.

Die Erfolge stellen sich ein. Eichholz hat zum Beispiel vier seiner letzten fünf Kämpfe gewonnen. Auch Velberts Bundesliga-Star Roman Fress konnte ihn nicht besiegen.

Jetzt wollen Becker und Klix gemeinsam mit allen Vereinen ein neues Kapitel in Düsseldorfs Box-Geschichte schreiben. Dabei wollen sie den Geist vergangener Zeiten wieder aufleben lassen.

Eichholz am SandsackDas erste Ziel ist in greifbarer Nähe. Man will in der internationalen Oberliga den Sprung aufs Treppchen schaffen. Talente gibt es genug. Vladimir Eichholz und Denis Lobes beim PSV zum Beispiel, oder Robert Zyla, Junior Kalenga und Shahin Mohammadi vom Sportring Garath. Auch die Jugend rutscht nach. Da gibt es Jussef Fares und Konstantin Hellwig vom TuS Gerresheim, die es bei Deutschen Meisterschaften bereits unter die ersten Drei schafften. Auch der Boxring Düsseldorf verfügt über vielversprechenden Nachwuchs. Klievest Hurmi haut seine Gegner reihenweise um.

Um zu bestehen, müssen Düsseldorfs Faustkämpfer dringend regelmäßig zusammen trainieren. Sollten sie es nicht tun wird der Traum von einer Medaille platzen, wie ein kaputter Autoreifen, denn die erfolgreichen Oberliga-Vereine trainieren für die Liga bis zu sechsmal in der Woche. Trotzdem hat sich das Leistungszentrum noch nicht in allen Köpfen durchgesetzt. Konkurrenz-Angst steht dem „WIR“-Gefühl im Weg. Für Becker und Klix ist das Blödsinn.

Auf der nächsten Sitzung des Fördervereins „Düsseldorfer-Box-Vereine“, will das Trainer-Duo mit diesem Vorbehalt aufräumen. „Wenn wir ein Team sind, können wir alles erreichen“, das wird die Kernaussage ihrer Brandrede sein.
Der Förderverein ist die Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Stadt und Boxsport und damit ihr wichtigster Verbündeter. Schon lange ist dessen Vorstand mit der Stadt im Gespräch über ein Leistungszentrum.
Der Stadtsportbund ist bereit, aber ihm fehlen die notwendigen Gelder. Becker und Klix schließen nun diese Lücke. Sicherlich würden sich die zwei freuen, wenn der Stadtsportbund einen Teil der laufenden Kosten übernehmen würde. Doch auch ohne Beteiligung werden sie weiter machen. Denn sie wollen, dass ihre Stadt und ihr Sport erfolgreich ist. Nicht mehr und nicht weniger.

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