Weitere Ausführungen über Änderungen an der WB

Im folgenden Schreiben präzisiert Erich Dreke die Formulierungen in der WB. Wir werden die Dokumente unter Links und Downlads zeitnah aktualisieren.

Sehr geehrte Damen und Herren,

sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

der Kampfrichterausschuss hat direkt nach dem vorbildlich organisierten Kongress des DBV in Wallenhorst  im Landesverband Niedersachen die Beschlüsse des Kongresses vor dem Hintergrund der Änderungen der AIBA-Regeln auch die Änderungen unserer WB veröffentlicht.

In Ergänzung und auch in Abänderung dieser Veröffentlichungen mochte ich folgende verbindliche Ausführungen machen:
1. Vor Beginn eines jeden Kampfes darf der Kopfschutz (außer Männer und Elite) nur im Ring aufgesetzt werden.
2. Bei der Begrüßung der beiden Boxer(innen) im 10-Point-muss-System muss der Ringrichter vier kurze Belehrungen durchführen:

a. keine Kopfstöße verursachen
b. keine Innenhände schlagen
c. keine Tiefschläge schlagen
d. nicht Festhalten oder Klammern

3. Bei einem Niederschlag handelt es sich um einen normalen Treffer, er hat keinerlei gravierende Auswirkungen für die laufende Runde. Diese Änderung ist neu und verbindlich. Alle anderslautenden Regelungen sind hiermit nichtig.
4. Der Ringrichter darf mit den Sportler(innen) reden und darf die Sportler beim Trennen auch anfassen, er darf auch Zeichen von Unkorrektheiten während des Kampfes zeigen oder sprechen, ohne den Kampf zu unterbrechen.

 5. Wenn der Mundschutz nicht absichtlich ausgespuckt wird, muss beim ersten mal eine Ermahnung an den Sportler(in) erfolgen. Wenn der Mundschutz zum zweiten mal nicht absichtlich ausgespuckt wird, muss erneut eine Ermahnung erfolgen. Beim dritten mal ohne absichtliches Ausspucken des Mundschutzes muss eine Verwarnung erfolgen. Spuckt der Sportler(in) den Mundschutz absichtlich aus, ist sofort zu verwarnen. Danach gibt es keine Ermahnungen mehr, sondern wie gewohnt wird weiter verwarnt und eventuell muss auch eine Disqualifikation ausgesprochen werden ( 5 mal ohne Absicht Verlust Mundschutz).

 6. Es gibt keine Vorschriften mehr, wie oft für wiederholte Fouls ermahnt werden kann und somit auch keinen Zwang einer Verwarnung. Dem Ringrichter wird wesentlich mehr Verantwortung gegeben für einen ordnungsgemäßen Ablauf des Kampfes.

7. Verwarnungen werden vom Punktrichter nicht beachtet in der Rundenbewertung. Die Verwarnung wird vom Delegierten vom Endergebnis mit einem Wertungspunkt vom Ergebnis des Verwarnten abgezogen. z.B. blaue Ecke Verwarnung und Endergebnis bei männlicher Jugend 29 : 28 für Rot, würde der Delegierte das Ergebnis auf 29 : 27 abändern. Würde bei diesem Beispiel rot eine Verwarnung erhalten, würde der Delegierte das Ergebnis auf 28:28 ändern. Haben die beiden anderen Punktrichter eine Ecke vorne, wird das Ergebnis mit 2:1 für blau verkündet. Haben alle
drei Punktrichter jeweils einen anderen Sieger ( einer rote Ecke, einer Unentschieden, einer blaute Ecke), so muss der Punktrichter mit dem Urteil Unentschieden den Punktzettel vom Delegierten zurück erhalten und sich durch einen Kreis auf dem Punktzettel für eine Ecke entscheiden.
Danach wird das Urteil 2: 1 verkündet. Die Punktzettel können vom Ringrichter eingesammelt werden, der Delegierte kann aber auch eine Person seines Vertrauen dafür einsetzen, um den Ringrichter von seinen Aufgaben nicht ablenken zu lassen. Besonders bei Deutschen Einzelmeisterschaften, wo jede Runde ein neuer Punktzettel ausgefüllt werden muss.

8. Die Zeit während der laufenden Runde wird nicht durch das Kommando “Stopp” unterbrochen, sondern nur durch das neue Kommando “Time”. Mit dem Kommando “Box” wird die Zeit wieder laufen gelassen. Das Kommando “Time” wird nur dann verkündet, wenn eine längere Unterbrechung notwenidg ist, wie z.B. Ordnen der Kampfkleidung, Schuhe binden, Ringarzt konsultieren, Nase säubern durch den Ringrichter u.a.m.
Kurze Unterbrechungen wie Ermahnungen werden zeitlich nicht zur Unterbrechung führen, der Zeitnehmer lässt die Uhr weiter laufen.

9. Bei einem Tiefschlag, der zu keinerlei Wirkungen führt, wird der tiefschlagende Kämpfer ermahnt. Der Ringrichter muss dafür nicht den Kampf stoppen. Bei einem Tiefschlag, der hart geführt wurde und/oder absichtlich, ist sofort der tiefschlagende Boxer zu disqualifizieren. Wenn der Ringrichter anfängt den Boxer wegen Tiefschlag anzuzählen, muss er nach dem Zählen das Kommando “Time” laut sagen. Der Zeitnehmer stoppt die Uhr und muss mit einer zweiten Uhr die 90 Sekunden für die Regeneration stoppen. Wenn der tiefgetroffene Sportler früher als 90 Sekunden wieder kampffähig ist und den Kampf weiterführen will, so muss der tiefschlagende Boxer eine Verwarnung erhalten. Ist aber der getroffene Boxer nach 90 Sekunden nicht kampffähig, so wird dieser zum Verlierer durch TKO verkündet. Hintergrund dieser Entscheidung ist das Ergebnisse der medizinischen Kommissionen, dass ein Boxer nach 90 Sekunden plus Zeit von 8 Sekunden des Anzählen in der Lage sein muss, den Kampf weiterzuführen.

10. Wenn ohne dem Box-Pointer im 10-Point-muss-System gepunktet wird, kann auch nur mit drei Punktrichtern gepunktet werden. In diesem Fall sind die Punktrichter so zu platzieren, dass Punktrichter 1 links neben dem Delegierten an der roten Ecke, Punktrichter 2 dem Delegierten gegenüber und Punktrichter 3 rechst vom Delegierten an der blauen Ecke befinden.

11. Der Zeitnehmer hat jeweils nach den Rundenpausen 10 Sekunden vor Ablauf der Zeit laut hörbar die Boxer, den Ringrichter und die Sekundanten zu informieren. Dazu schlägt er mit einem harten Gegenstand (z.B. Hammer) auf einen Holzbrett oder ähnlichem hölzernen Untergrund.

12. Der Ringsprecher hat nur auf Anweisung des Delegierten Ergebnisse zu verkünden. Zwischenergebnisse sind untersagt.

13. Im § 10 Abs. 7 ist in der WB des DBV aufgeführt, dass erstkämpfende Boxer(innen) nach dem 30 Geburtstag nicht boxen dürfen. An dieser Stelle wird noch einmal darauf hingewiesen, dass es sich bei diesen Erstkämpfen nach dem 30. Geburtstag um das olympische Boxen handelt und es unerheblich ist, ob vorher schon in anderen Kampfsportarten trainiert oder Wettkämpfe durchgeführt wurden.

14. Bei allen Deutschen Meisterschaften muss mit dem 10-Point-Muss-System gearbeitet werden. Dazu gehören alle Landesmeisterschaften, in denen sich Sportler für Deutsche Einzelmeisterschaften qualifizieren können.

15. Sekundanten dürfen ihre Boxer(in) Hinweise während des Kampfes geben, sie dürfen aber weder Schreien, Klatschen oder auf den Ringboden schlagen, die Sekundanten dürfen auch ihren Sitzplatz in der Ecke während der Rundenzeiten nicht verlassen und auch nicht aufstehen.

16. In den Fällen, wo bei Männer (Elite) – Wettkämpfen noch keine 12 Unzen-Box-Handschuhe zur Verfügung stehen, wird weiterhin mit 10-Uzen-Boxhandschuhen geboxt. Wir müssen dort eine Übergangsregelung schaffen, da sich die Ausrüster bemühen, die 12-Unzen-Boxhandschuhe anzubieten. Aus diesen Ausführungen wird sehr deutlich, dass die neuen AIBA-Regeln und unsere Wettkampfbestimmungen sich in einem dynamischen Prozess befinden und wir auch alle noch Erfahrungen sammeln müssen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass weitere, detaillierter Änderungen eintreten werden. Nach dem wichtigen AIBA – Kongress am 15. bis 20.07.2013 werden wir durch unseren Präsidenten Jürgen Kyas erfahren, ob dieser dynamische Prozess der Änderungen abgeschlossen ist oder ob der AIBA-Kongress andere Regeln beschließt. Als EC – Mitglied der AIBA wird Jürgen Kyas als Kenner der Praxis vor Ort uns schnell informieren können.

Der Kampfrichterausschuss wird weiteres, aktuelles Schulungsmaterial neu erarbeiten und allen Landesverbänden zur Verfügung stellen.
Ich möchte dringend bitten, alle Trainer, Kampfrichter und Offizielle über diese Änderungen zu informieren und Schulungen in den Landesverbänden zeitnah zu organisieren. Der Kampfrichterausschuss wird sich bemühen, diese Schulungen zu unterstützen. Wenn das Schulungsmaterial überarbeitet wurde, wird es auch auf der Homepage des DBV veröffentlicht.

Mit freundlichen Grüßen

Erich Dreke

Kampfrichter-Obmann DBV