Auch Boxlegende Ewald Wichert hat bei Olympia verloren

Die Deutschen Meister 66: 2.v.l. Horst Rascher, 5.v.l. Gert Puzicha, 6v.l. Dieter Kottisch, 3.v.r. Ewald Wichert, 4v.r. Günter Meyer

Die Deutschen Meister 66: 2.v.l. Horst Rascher, 5.v.l. Gert Puzicha, 6v.l. Dieter Kottisch, 3.v.r. Ewald Wichert, 4v.r. Günter Meyer

Das Olympische Feuer ist aus. Leider gab es in London keine Medaillen für unsere Boxer. Ewald Wichert ist ein alter Hase, wenn es um Olympische Spiele geht.  Er war 1968 in Mexiko dabei.
Wicherts Bilanz ist eindrucksvoll. 303 Kämpfe stehen in seinem Pass. 250-mal verließ er als Sieger den Ring.  Dreimal war er Deutscher Meister, dreimal Deutscher Vize-Meister. 1965 gewann er in München die Militärweltmeisterschaft gegen den Italiener Nuppu. Für seinen Heimatverein, dem Märkischen-Boxring-Hamm bestritt er über 240 Kämpfe.
Dann wurde der Soldat Wichert an den Mittelrhein versetzt, wo er für Bonn-Duisdorf weitere 60-mal im Ring stand.
Der Höhepunkt seiner Karriere waren die Olympischen Spiele in Mexiko. In der Vorrunde verlor er mit einem krassen Fehlurteil gegen den späteren Olympiasieger Finnegan. Werner Schneider, der charismatische ZDF-Boxexperte, schimpfte wütend über ein „Katastrophen-Urteil“.
Ich habe Anfang August den 72-Jährigen und seine Frau Nanny in seinem hübschen Bungalaw in Bonn besucht.

Ewald Wichert, der "Hammer" aus Hamm

Ewald Wichert, der “Hammer” aus Hamm

Mein Gott Herr Wichert, sind das alles Muskeln?
„Na klar! (er lacht) Ich boxe jeden Tag drei Runden gegen Nanny, da muss ich gut in Form sein, wenn ich gewinnen will. Aber nenn mich Ewald, das ist unter Boxern so üblich“.

Stefan Härtel – was fällt Dir bei dem Namen ein?
„Stefan hat in London gegen einen Engländer verloren. Ich habe auf meiner Olympiade auch gegen einen Engländer verloren. Es war Chris Finnegan. Er war mit 3 zu 2 vorn.“

Damals sprach die ganze Welt von einem krassen Fehlurteil. War es das?
„Ich habe mein Bestes gegeben und verloren. Ich habe mich über das Urteil weder geärgert, noch an diesen Diskussionen beteiligt. Gewonnen wird im Ring und nicht außerhalb. Das war so und wird so bleiben.“

Was sollte Härtel jetzt deiner Meinung nach tun?
„Ich weiß genau, wie es in ihm aussieht. Das war der Kampf seines Lebens. Stefan muss das Gute aus dem Kampf mitnehmen und den Rest vergessen. Und vor allem nach vorne gucken!  Das ist ganz wichtig!

Wie hat sich Deiner Meinung nach das Boxen in Deutschland verändert?
„Früher haben wir mit vollem Körpereinsatz geboxt. Heute ist das Boxen viel schneller. Die Boxer sind auch technisch versierter, als wir damals.

Leider habe ich aber auch den Eindruck, dass  immer mehr Geld im Sport ist. Das ist gar nicht gut für das Amateur-Boxen. Damals waren wir stolz darauf, für unseren Verein im Ring zu stehen. Glaubst Du die Johannpeters, Paul Budde oder ich hätten für Geld im Ring gestanden? Da oben standen wir für Hamm. Diesen Geist, diesen Zusammenhalt vermisse ich.

Auf der anderen Seite finde ich es sehr gut, wie der DBV heute unsere Boxer unterstützt. Von solch einer Betreuung hätten wir damals nicht einmal zu träumen gewagt.“

Damals? Erzähl doch mal
„Als mir mitgeteilt wurde, dass ich auf der Olympiade in Mexiko boxen werde, war ich Soldat in Bonn. Ich habe mich fast im Alleingang auf die olympischen Spiele vorbereitet. Trotz des harten Trainings, war es die schönste Zeit meines Lebens.“

Mexico - Gert Puzicha, rechts neben Fahne und Ewald Wichert

Mexico – Gert Puzicha, rechts neben Fahne und Ewald Wichert

In Mexiko hat noch ein anderer Boxer aus Nordrhein-Westfalen teilgenommen –  Gert Puzicha. Wie habt Ihr euch kennengelernt?
„Gert und ich waren beide bei der Bundewehr in Wetzlar stationiert. Er hat im Halbwelter geboxt und ich im Mittelgewicht. Wir haben viel trainiert, hart trainiert. Zum Sparring sind wir öfters rüber in die Kaserne der Amerikaner. Aus der Kameradschaft zwischen Gerd und mir ist eine Freundschaft gewachsen. Bis zu seinem tragischen Tod haben wir uns nie aus den Augen verloren.“

 Bist Du dem Boxsport treu geblieben?
„Na klar. Jeden Donnerstag treffe ich mich mit den alten Haudegen in der Kneipe im Bonner Rathaus. Wir haben immer viel zu erzählen. Und wenn in Bonn eine Veranstaltung stattfindet, gehe ich natürlich hin.“

Am 8.  September findet die NRW Vorrunde bei Colonia 06 statt. Sehe ich Dich da?
„Wolfgang, wenn Nanny mich gehen lässt, bin ich da.“

Kommentare

  1. Frederic Folberth meint:

    Gibt es noch Aufnahmen von Kämpfen mit Paul Budde?

  2. Elmar Meyer meint:

    Ewald war für mich der BESTE der jemals für den MBR Hamm geboxt hat. 3 x Deutscher Meister und 3 x Vizemeister , ist eine deutliche Sprache. Die drei Niederlagen waren auch nur sehr dünn, die hätte Ewald auch gewinnen können, er war ein GANZ GROSSER.

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